Die Schweizer Tragik der Ju 52

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swisseagle
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Die Schweizer Tragik der Ju 52

Beitragvon swisseagle » 12.01.2019 20:17

Nach dem Absturz am Schweizer Segnas Pass im August 2018 ist die Ju 52, bisher bekannt als zwar nostalgisches, aber äusserst zuverlässiges, gutmütiges und nahezu unverwüstliches Passagier- und Transportflugzeug, zu trauriger Berühmtheit gelangt.

Der dreimotorige, wellblechbeplankte Oldtimer wurde seinerzeit von der Schweizer Luftwaffe, wo er vor vielen Jahren mit drei Exemplaren als Transporter diente, durch die zivile Ju-Air übernommen und für Rundflüge und weitere Exkursionen eingesetzt.
Während eines Flugtages auf dem Regionalflugplatz, wo ich seit über vierzig Jahren sportfliegerisch aktiv bin, hatte ich vor Jahren Gelegenheit, einen einstündigen Rundflug mit der Ju 52 in die Voralpen zu unternehmen.

Die voll besetzte Ju hob auf der ca. 800 m langen Asphaltpiste problemlos ab und begann ihren Steigflug Richtung Alpen. Das Grummeln der drei BMW Sternmotoren erzeugte ein Gefühl einschläfernder Gemütlichkeit, das ich so kaum in einem anderen Flugzeug erlebt hatte. Die Passagiere waren begeistert und zückten fortlaufend ihre Kameras. Auch das Cockpit konnte abwechselnd besucht werden und der Kapitän sowie sein Co gaben bereitwillig und kompetent Auskunft über die Technik und die Flugeigenschaften der "Tante Ju". Ein besonderes Highlight war der Ueberflug des Gipfels der Rigi, dem Hausberg der Stadt Luzern. Auch ich war nach der Landung lange Zeit noch von diesem Flug begeistert. Nicht im Traum hätte ich daran gedacht, dass dieses Flugzeug einmal verunfallen könnte.

Das Erlebnis meines Vaters , der während des zweiten Weltkrieges mit einer militärischen Ju 52 von Sizilien nach Nordafrika zu Rommels Panzertruppen geflogen wurde, brachte mir das fast vergessene Ereignis als Passagier der zivilen Junkers nochmals in unangenehme Erinnerung.

Vor einigen Jahren befand ich mich oberhalb des Flugplatzes Locarno-Magadino im Tessin in den Ferien, als ich zwei landende Ju 52 auf dem Platz beobachtete. Kurz darauf war ich in meinem Auto auf dem Weg zum Flugplatz. Die dreimotorige Rarität bekommt man ja nicht alle Tage zu sehen. Als Zaungast konnte ich die JU's aus der Nähe und die Vorbereitungen der Besatzung vor dem Rückflug beobachten und fotografieren. Noch immer sind mir die Fluggäste in ihrer Vorfreude präsent, die nach einem erlebnisreichen Flug wohlbehalten ihr Reiseziel erreichten. Ganz anders als während des JU 52 Fluges im vergangenen Sommer, der so tragisch in den Schweizer Bergen geendet hatte.

Anmerkung: Was treiben die beiden Besatzungsmitglieder wohl mit der Schlinge an der langen Stange? Sie werfen damit nicht etwa den Mittelmotor der Ju an sondern drehen den Propeller vor dem Starten des Motors einige Male durch. Bei Sternmotoren läuft Oel bei längerem Stillstand nach unten und sammelt sich in den unteren Zylindern. Das Durchdrehen des Propellers soll dieses überschüssige Oel ausstossen. Geschieht das nicht, können beim Anlassen der Motoren schwere Schäden, eventuell Brüche der Kolben-Pleuelstangen und die Zerstörung der Zylinder entstehen.
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