Vickers VC 10 - fast leise wie im Segelflugzeug

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swisseagle
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Vickers VC 10 - fast leise wie im Segelflugzeug

Beitragvon swisseagle » 05.01.2019 18:02

Anfang der Siebzigerjahre konnten wir anlässlich einer Ferienreise auf die Insel Bali mit einer Vickers VC 10 der britischen B.O.A.C. von Zürich über Athen nach Singapur fliegen. Die VC 10 war ein ganz besonderes Flugzeug. Wie die französische Caravelle mit zwei Treibwerken am Heck, besass die VC 10 deren vier, zwei an jeder Seite des Rumpfendes. Das Flugzeug wirkte ausgesprochen elegant und ähnelte fast zum Verwechseln der russischen Iljuschin IL 52, die ebenfalls vier Triebwerke am Heck besass.
Da eine Zwischenlandung in Athen vorgesehen war; für ein Langstreckenflugzeug eine relativ kurze Distanz, rollten wir nicht zu einer der beiden langen Nord-Süd-Pisten sondern starteten auf der kürzeren Ost-West-PIste. Mit meiner Gattin sass ich im vorderen Teil der Kabine, wo von den Turbinen nur ein mässiges Summen zu hören war.

Der Start verlief mit rasanter Beschleunigung, der Steigflug jedoch deutlich flacher als in einer Boeing 737, in der ich oft fast das Gefühl hatte, in einer Rakete zu sitzen. Nicht umsonst wurde diesem Flugzeug der Spitzname "Kraftei" zuteil. Während des Reisefluges hatte man beinahe das Gefühl, in einem Segelflugzeug zu sitzen. Die am Rumpfende befestigten Triebwerke waren vorne fast nicht zu hören. Da der Antriebsschub erst am Heck des Flugzeuges wirkte, war es wahrscheinlich auch über die Mitte der Passagierkabine hinaus wesentlich ruhiger als in einer Boeing 707 oder DC 8, deren vier Triebwerke unter den Tragflächen hingen.

Der Sinkflug auf den Flughafen Athen verlief gefühlsmässig länger als in vegleichbaren vierstrahligen Jets. Man hatte den Eindruck, in einem aerodynamisch optimalen Flieger zu reisen. Auch das Ausschweben und das Aufsetzen bei der Landung erfolgte butterweich. Nach dem Tankstop starteten wir bei grosser Hitze auf die Aegäis hinaus und nahmen Kurs auf unser erstes Ziel Singapur. Die VC 10 verhielt sich bei hohen Temperaturen beonders vorteilhaft gegenüber anderen vergleichbaren Jets, besass jedoch den Nachteil einer geringeren Wirtschaftlichkeit und eines höheren Wartungsaufwandes.

Während der weiteren Stunden des Langstreckenfluges genossen wir den hohen Komfort und die völlig ungewohnte Ruhe an Bord. Etwas Tubulenz verspürten wir lediglich beim Anflug auf Singapur. Alles in allem ein Flug, an den ich auch heute noch sehr gerne zurückdenke. Bedauerlich, dass diese technisch interessanten und attraktiven Flugzeuge den standardisierten Nachfolgejets, bei denen es nur noch um optimale Wirtschaftlichkeit und entsprechenden Profit der Airlines geht, weichen mussten.
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B.O.A.C. Vickers VC 10 (Symbolbild)
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swisseagle
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Re: Vickers VC 10 - fast leise wie im Segelflugzeug

Beitragvon swisseagle » 13.01.2019 12:45

Berichtigung: Bei der russischen "Schwester" der britischen VC 10 handelt es sich nicht um die Iljuschin IL 52 sondern um die Iljuschin IL 62. Sorry :oops:

Swisseagle
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Iljuschin IL 62 (Symbolbild)
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