Die Fallschirmmaus

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Moderator: aerotimmi

swisseagle
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Die Fallschirmmaus

Beitragvon swisseagle » 04.01.2019 17:48

Meine Segelflug-Grundausbildung hatte ich 1961 auf unserem süddeutschen Militärflugplatz begonnen und 1962 mit dem Luftfahrerschein für Segelflugzeugführer (Klasse I) abgeschlossen. Geschult wurde auf der doppelsitzigen Mü 13 E "Bergfalke" und dem ebenfalls doppelsitzigen "Specht" im Flugzeugschlepp hinter einer Dornier Do 27 der Bundeswehr oder per Windenstart. Für die ersten Allein- und Uebungsflüge stand das einsitzige Grunau Baby zur Verfügung.

Der Flugbetrieb fand nur ausserhalb der militärischen Aktivitäten an den Wochenenden statt. Dann herrschte beschauliche Ruhe auf dem weiten Gelände und wir Flugschüler hatten neben den Startvorbereitungen für die Flugzeugschlepps, dem Zurückschieben der gelandeten Segler und den Fahrten mit unserem Seil-Rückholfahrzeug zwischen Schleppwinde und Start eine Menge Zeit, die wir uns während des Tages vertreiben konnten.
Auf dem Rasengelände unseres Platzes waren Feldmäuse eine Plage. Ueberall wurde das kurze Gras von Löchern und Gängen durchzogen, was den Aerger über die lästigen Nager zu unserem ständigen Begleiter werden liess. Unser sehnlicher Wunsch, einige motivierte Stubentiger würden mit den unterirdischen Bewohnern aufräumen, blieb leider unerfüllt.

Eines Tages bemerkten wir, dass es sich die wieselflinken Nager gerne unter den kegelförmigen Metallsockeln der blauen Rollweglampen wohl sein liessen. Kippte man diese Sockel ruckartig zur Seite, waren die Mäuse für einen Augenblick vom Tageslicht geblendet und liessen sich mit einem Lederhandschuh als Schutz vor ihren spitzen Zähnen leicht einfangen.

So schnappten wir uns einmal eine dieser Störenfriede und platzierten sie in einer leeren Milchtüte. Anschliessend knoteten wir vier Schnüre an die Enden eines grossen seidenen Taschentuches und verbanden diese mit der Tüte. Ein Kamerad startete im Grunau Baby und der Maus an Bord an der Winde und beförderte den seltsamen Fluggast nach dem Ausklinken des Schleppseiles ins Freie. Das Taschentuch entfaltete sich zu einem kleinen Fallschirm und die Milchtüte mit der Maus segelte gemächlich nach unten. Nach der glücklichen Landung spurteten wir zur Landestelle, öffneten die Tüte und befreiten die wohlbehaltene Flugplatzbewohnerin, die nach kurzem Zögern in einem Erdloch verschwand. Was die dort wohl zu erzählen hatte?

Es wird wohl die erste und vielleicht letzte fallschirmspringende Feldmaus gewesen sein, die uns damals zu grösster Heiterkeit reizte. :lol:



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