Absturz EPIC LT - Egelsbach

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swisseagle
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Absturz EPIC LT - Egelsbach

Beitragvon swisseagle » 02.04.2019 19:06

Zum Absturz der einmotorigen Turboprop vom Typ EPIC LT beim Landeanflug auf den Regionalflughafen Egelsbach bei Frankfurt gibt es bereits einige Fakten, die bezüglich der Unfallursache in eine bestimmte Richtung weisen.
Die Maschine, besetzt mit einer der reichsten russischen Geschäftsfrauen, wahrscheinlich ihrem Vater und dem Piloten startete im südfranzösischen Cannes zum IFR Flug nach Egelsbach. Für die Landung wechselte der Pilot von IFR (Instrumentenflug) auf das Sichtflugverfahren (VFR), da Egelsbach für Instrumentenanflüge offenbar nicht entsprechend ausgerüstet und zugelassen ist.

Der Flug verlief gemäss den Radaraufzeichnungen normal, als die Turboprop gemäss einem Augenzeugen in nur einhundert Meter Höhe dessen Haus in der Nähe der Piste von Egelsbach überflog, weiter auf geschätzte fünfzig Meter Höhe sank und eine scharfe Kurve für einen wahrscheinlichen Notlandeversuch einleitete. Dabei kam es offenbar zum Strömungsabriss, nach dem das Flugzeug nahezu senkrecht abstürzte und in Flammen aufging.
Gemäss Zeugen hatten diese kurz vor dem Absturz "stotternde" Triebwerksgeräusche" wahrgenommen. Die EPIC LT war mit einer Pratt & Witney PT 6 A-67 Propellerturbine, mit einer Wellenleistung von 1'250 KW ausgerüstet. Dieser Antrieb gilt als aussergewöhnlich robust und zuverlässig. Er ist in unterschiedlichste Flugzeugtypen eingebaut und hat sich auch unter härtesten Bedingungen in vielen abgelegenen und unwirtlichen Regionen der Erde bewährt.

Turboproptriebwerke arbeiten mit Constant-Speed-Propellern. Die Drehzahl bleibt stets gleich hoch; mit der Propellerverstellung wird eine höhere oder geringere Leistung, z.B. beim Start, im Reiseflug oder beim Landeanflug abgerufen.
Das von Zeugen gehörte "Stottern" der Turbine erscheint daher sehr ungewöhnlich und deutet auf eine erhebliche technische Störung hin. Dieser Eindruck wird durch zwei Propellerblätter, die nach dem Aufschlag nahezu unversehrt aus dem ausgebrannten Wrack ragten, verstärkt. Dieses Bild vermittelt zudem den Eindruck, dass das Triebwerk kurz vor dem Absturz total ausgefallen war, da die Blätter den Einschlag in den Boden niemals ohne ihre völlige Zerstörung überstanden hätten.

Als mögliches Szenario dieses schweren Unfalles mit drei Toten und einem völlig ausgebrannten Flugzeug ist eine massive Triebwerkstörung mit nachfolgenden Stillstand wahrscheinlich. Der von Zeugen beobachtete sehr tiefe Landeanflug mit noch eingefahrenem Fahrwerk und der anschliessende, offenbar panikartige Versuch des Piloten, mit einer Steilkurve in sehr geringer Höhe notzulanden, sprechen wohl für diesen Unfallhergang.

Die Unfalluntersucher werden es angesichts des Fehlens eines flight data sowie voice recorders in dem sechsplätzigen Geschäftsreiseflugzeug nebst dem totalen Zerstörungsgrad wohl sehr schwer haben, eine schlüssige Unfallursache zu ermitteln.
Dateianhänge
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EPIC LT (Symbolbild)
1316897.jpg (198.7 KiB) 65 mal betrachtet



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